Wir mussten Fynn gehen lassen
geschrieben am 11.7.2011 | Kategorie: Abschied nehmen

 
Fynn ging heute über die Regenbogenbrücke...
...und kehrt nicht mehr zurück...

He went on a journey
Not that he wanted to
But because the wind took him away…
(unknown)

Dance in the Wind of Calypso Dream – unser geliebter Fynn
* 03.01.2004
† 11.07.2011 um 8.20 Uhr


Fynn hatte in seinem kleinen, viel zu kurzen Leben nicht allzu viel Glück, was die Gesundheit angeht. Schön früh hüppelte er mit seiner C-Hüfte so durch durchs Land, dass wir es nicht mehr mit ansehen konnten und hofften, mit einer Golddrahtakkupunktur könnten ihm die Schmerzen genommen werden. Dies ließen wir im Frühjahr 2007 in Bad Waldsee durchführen – der korrekte Gang hielt leider nur 14 Tage. Danach lief Fynn wie vorher, hatte aber vielleicht keine Schmerzen...! ?

Von Kleinauf hatte er immer wieder Bronchitis und dicke Mandeln. Sein Plüschfellchen trocknete leider viel zu langsam und das verstärkte sich noch, als wir ihn im Herbst 2006 kastrieren ließen. Hatte er vor der Kastration von allerlei blöden Rüden immer wieder eine auf die Mütze bekommen bis hin zu einer üblen Beißattacke in Gurgel und Nacken, ohne dass er sich wehren konnte, so war er Gottseidank ab diesem Zeitpunkt vor agressiven Rüden verschont. Bis auf ein einziges Mal, bei dem er wieder mal unter einem Rüden lag und vor Angst schrie.

Alessia wurde in den gemeinsamen 5 Jahren zu seiner wichtigsten Partnerin und blieb es bis zum Schluss. Viele schöne Reisen haben wir gemeinsam mit ihm und Alessia gemacht und immer wieder konnten wir beobachten, wie einzigartig souverän er auf den Fähren nach Sardinien war, wie problemlos er in jede Gondel einstieg, wie wenig es ihm ausmachte, in einen Aufzug zu steigen und wie selbstverständlich er an Silvester mit uns auf dem Balkon stand und dem Feuerwerk zuschaute. Die grenzenlose Sicherheit hat er leider Alessia nicht beibringen können!

Wir waren nie getrennt, außer an den beiden Malen, als Fynn oder ich im Krankenhaus waren!

Im August/September 2010 lahmte er hinten links und wir waren in der Tierklinik, weil unsere TA’in in Urlaub war. Die Röntgenaufnahme zeigte nichts besonderes, Athrose im üblichen Umfang für einen 6-jährigen. Aber der Verdacht auf Kreuzbandriss stand im Raum. Mit Metacam und äußerste Schonung und Leinenzwang sollte dies ausgeschlossen werden. Es dauerte lange, aber irgendwann sprang er wieder quietschvergnügt umher.

Bis zu seinem letzten Winter. Ein paar Tage nach seinem 7. Geburtstag bekam Fynn wieder Halsschmerzen! Antibiotika – eine Behandlung nach der anderen schlug nicht an und als das Ergebnis eines Tests feststand, dass ein agressives Bakterium, welches resistent auf fast alle Antibiotikas ist, Ursache ist, wurde Fynn immer schwächer und konnte nichts mehr bei sich behalten und wollte auch nichts mehr fressen.
Mit fliegenden Fahnen ging es in die Tierklinik nach Freiburg. Er hatte eine Chronische Niereninsuffizienz und blieb 8 qualvolle Tage am Tropf, bis wir ihn wieder nach Hause nehmen durften.

Eine schwierige Zeit stand noch vor uns. Aber tapfer bekochten wir unser kleines Männel mit einer speziellem Nierendiät (750 g Gemüse, wie Kartoffeln, Karotten, Zucchini und Fenchel und nur 250 g Fleisch wie Rindermuskelfleisch, Hühnerherzen und Seelachs 3 mal am Tag eine Mahlzeit). Es dauerte eine Weile, bis er wieder anfing zu fressen und der glücklichste Moment war, als er wieder bettelnd am Tisch stand. So kannten wir unser Männel – so war er wieder er selbst. Seine Nierenwerte wurden überpünktlichst immer wieder geprüft und wurden von Mal zu Mal besser. Sein Fellchen glänzte und er roch ganz wunderbar.

Ein paar Tage bevor wir im Mai in den Bretagne-Urlaub fahren wollten, lahmte er wieder hinten links – Verdacht auf Bänderdehnung. Das Meer und die Spaziergänge haben Fynn noch einmal glücklich gemacht. Aber schon mitten im Urlaub verschlimmerte sich das Lahmen. Telefonisch erkundigten wir uns, wieviel Schmerzmittel wir ihm geben könnten, ohne Gefahr zu laufen, dass es die Nierenwerte beeinflusste. Der Urlaub war schon etwas getrübt.

Und wir kannten ja unseren Bub. Es stimmte etwas nicht. Trotz Schmerzmittelgabe und Schonung wurde das Knie immer dicker – manchmal konnte Fynn – meiste morgens, überhaupt nicht auftreten, lief sich aber dann etwas ein. Die Spaziergänge wurden kürzer. Nichts wurde besser – alles schlimmer. Als er anfing, zu erbrechen und wieder seine Lieblingsspeisen nicht mehr fressen zu wollen, packte Erich unser Bübchen ins Auto und fuhr abermals nach Freiburg in die Tierklinik. Dort wurde das Knie am 5.7.11 abermals geröngt und die Diagnose zog uns den Boden unter den Füßen weg. Osteosarkom im Knie, Metastasen in der Lunge – keine Chance.

Wir sollten das Blut testen lassen auf die Nierenwerte und roten Blutkörperchen. Freitags wollten wir in Freiburg noch eine Biopsie machen lassen, aber der Arzt, der noch einmal alles mit uns durchging, wollte die Gefahr des Einblutens bei Fynn’s schlechter werdenden Nierenwerten und den nur halb so vielen roten Blutkörperchen nicht eingehen. Eine Punktion lehnten wir dann ab. Wir wollten unser Männel einigermaßen heil nach Hause bringen und über das Wochenende Abschied nehmen. Am Samstag kamen meine Schwester und meine beiden Nichten und wir waren am See baden und Dummy apportieren. Wie freute sich Fynn und Alessia und niemand dachte, dass es so schlimm um Fynn stand. Nachmittags erbrach er all das Fressen, das ihm meine Nichten gefüttert hatten, im Originalzustand. Da verstanden sie es auch und das Abschiednehmen war tränenreich.

Sonntag wurde so schlimm, dass ich unsere Tierärztin schon rufen wollte. Wir hatten uns aber darauf verständigt, dass sie am Montagmorgen kommen wollte. Punkt 8 Uhr klingelte sie – Fynn holte sie freudig und schwanzwedelnd an der Tür ab und ging mit ihr zu seiner Decke, auf die er sich legen sollte. Da Alessia meinte, sie müsse sich dort hinlegen, mussten wir sie zunächst in den Flur sperren.

Fynn bekam die Nadel gesetzt am Hinterlauf während wir in streichelten und seinen Kopf hielten. Während er in Narkose war, gab unsere TA’in auf unser Zeichen die Injektion, die sein Herz anhielt. Ich hatte meine Hand auf seinem Brustkorb, nach 3,4 Atemzügen war Fynn still hinübergegangen... und mein Herz zerbarst.

Alessia kam herein, beschnupperte Fynn an der Nase und am Pipimann und legte sich rückwärts mit dem Kopf auf seine Hinterbeine – undenkbar, hätte er gelebt, hätte es eine eindeutige Ansage gegeben, das mochte Fynn nie!

Ca. 1 ½ Stunden später kam ein Mitarbeiter von Anubis und nahm unseren kleinen Mann mit. Fynn wird im Tierkrematorium eingeäschert und wir bekommen seine Asche in einer Urne zurück. Wenn wir mal wieder am Meer sind, werden wir seine sterblichen Überreste seinem liebsten Element, dem Wasser, übergeben.

Bis dahin versuchen wir alle zu überleben.
Viel zu kurze 7 ½ Jahre durfte Fynn auf dieser Welt leben und wir mit ihm.
Wundervolle Jahre hatten wir zusammen und wir möchten keine Sekunde missen. Nicht die chronische Niereninsuffizienz, die er Anfang des Jahres bekommen hatte, hat ihm das Leben genommen, sondern Knochenkrebs im linken Knie. Wir hatten keine Chance...

Wie vermissen wir unser Fynne-Männel!!! Wir werden dich nie vergessen. Spring so schnell wie möglich in das Land, wo du keine Schmerzen mehr haben musst.


Ein Zuspruch hat mir besonders gefallen, er passt so gut:

Sie treten in unser Leben und begleiten uns eine Weile.
Einige bleiben für immer, denn sie hinterlassen ihre Spuren in unseren Herzen.
 
 
 

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